Bilder sind Fenster in andere Welten.
Das Bild, egal ob Fotografie oder Gemälde/Zeichnung, erlaubt es uns Dinge zu sehen, die normalerweise außerhalb unserer Wahrnehmung, außerhalb des Raumes liegen, in dem wir uns täglich bewegen.
Der Präsident der vereinigten Staaten, die Pyramiden, Koalabären oder der neuste Ferrari. Wir wissen wie sie aussehen, ohne sie jemals in echt gesehen zu haben, dank Bildern.
Bilder, egal ob bewegt oder stillstehend, bringen einem die weite Welt in die heimische Wohnstube.
Einen besonderen Wert haben Bilder dabei vor allem dann, wenn sie die wichtigen Dinge der Welt abbilden, historische Begebenheiten dokumentieren und bedeutende Momente für die Ewigkeit festhalten.
Nicht selten sind es sogar die Bilder, die Momente überhaupt erst bedeutend machen, indem sie sie überhaupt erst einmal ins Bewusstsein der Menschen bringen.
Die niederländische „World Press Photo“ Stiftung zeichnet jedes Jahr genau solche Bilder aus, die „... nicht nur die fotojournalistische Verkörperung des Jahres darstellt, sondern auch ein Thema, eine Situation oder ein Ereignis von hoher journalistischer Bedeutung darstellt und dies in einer Weise, die ein außergewöhnliches Maß an visuellem Wahrnehmungsvermögen und Kreativität beweist“ (Quelle: Wikipedia)
Bilder die nicht nur Geschichte dokumentiert, sondern zum Teil Geschichte auch erst selbst geschrieben haben.
So manches Bild im bisherigen Siegerkatalog (hier klicken) ist sogar zu einer regelrechten Ikone seiner Zeit geworden, zu einem Sinnbild, das längst über das eigentlich abgebildete Geschehen hinaus als Symbol fungiert.
So wurden sowohl das Foto der Hinrichtung eines Vietcong auf offener Straße

als auch das eines kleinen Mädchens nach einem Napalmangriff

nicht nur zu zeitlosen Zeugnissen der Schrecken des Vietnamkrieges, sondern auch zu Dokumenten des Werteverfalls im Krieg und auch der USA, in ihrer ersten großen Niederlage.
Vielleicht noch größeren Weltruhm hat aber das Foto eines unbekannten Mannes, der sich am 4. Juni 1989 vor dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 30 Minuten lang einer Kolonne anrückender Panzer in den Weg stellte.

Diese Bild ist wohl so ziemlich überall auf der Welt präsent, wo es um Revolution geht, wo sich einfache Leute der Staats/Militärmacht gegenüber gestellt sehen.
Blättert man so durch die bedeutendsten Pressefotos seit 1955 fällt überhaupt eines ganz gravierend auf. Jedes Foto, das ja irgendwo auch immer repräsentativ für ein Jahr steht, zeigt ein negatives Ereignis.
Liest man sich dazu durch die Beschreibung, geben sich Begriffe wie Krieg, Katastrophe, Hunger und Trauer die Klinke in die Hand.
Immer wieder Dokumentieren die Fotos Tod, Schmerz, Wut und Leid.
Selbst die Sportfotos ordnen sich dieser scheinbaren Leitlinie unter und zeigen Unfälle oder einen geknickt wirkenden Torwart vor einer Stacheldrahtmauer im strömenden Regen.

Kein Foto findet sich von einem außerordentlichen Triumph, einem großen Erfolg oder einer Stunde besonderen Glückes.
Würde man die „World Press Photo“ Sammlung als Bewertungsmaßstab für die jüngere Geschichte der Menschen hernehmen, sie würde ein ziemlich düsteres Bild von uns zeichnen.
Aber es ist wohl auch gerade das, was uns an uns selbst am meisten zu faszinieren und zu beeindrucken weiß.
Aber auch wenn so manches Bild ziemlich hart ist und so manche abgelichtete Szene einen wahrlich aufs Gemüt schlagen kann, finde ich den Rundgang durch die virtuelle Galerie der World Press Gewinner extrem beeindruckend.
Zeit muss man sich allerdings mitnehmen, denn so manches Bild will auch mal etwas länger betrachtet werden, um seine ganze Wirkung zu entfalten.
Oftmals wird einem bei einem lediglich flüchtigem drüberschauen kaum klar, was für eine Ungeheuerlichkeit hinter dem Bild liegt.
Eine durch und durch deprimierende Reise, die meiner Meinung nach aber auf jeden Fall lohnt.
www.worldpressphoto.org